Cover des Albums "Gute Unterhaltung"

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Glück ... ist nur möglich als gemeinsame Arbeit an der Verbesserung; oder doch wenigstens an der Nicht-Verschlimmerung; oder doch wenigstens im Widerstand gegen das Allerschlimmste.

Hermann Kinder

Gute Unterhaltung

Titel

Akrobat
Stern Größer als wir beide
Stern Alles was sie will
Ich hab's versucht
Stern Heul mit den Wölfen
Gute Unterhaltung
Den Bach runtergehn
Männergebet
Die langen Messer der Nacht
Du erwartest ein Kind
Götter in Weiß

Stern Singleveröffentlichung

  

Kommentare

"Gute Unterhaltung war für uns ein Aufgalopp, nachdem wir mit Einer für alle einen für alle unerwarteten Schiffbruch erlitten hatten. Ich finde, es ist ein sehr elegantes Album und am allerstolzesten bin ich auf Götter in Weiß, das wir nur ein einziges Mal live gespielt hatten. Es ist eine sehr komplexe Nummer, die meiner Ansicht nach fast nahtlos an 'The lamb lies down on broadway' von Genesis anknüpft. Besonderes an dem Album war, daß es eine Nummer von Joschi Kappl und Martin Huch gab. Es war mit Sicherheit das schlechteste Cover, das wir je hatten."

Heinz Rudolf Kunze, März 1999

Einer auf den ich manchmal neidisch bin

Hanns Dieter Hüsch, 1990

Presse

Audio – sehr gut (Januar 1990)
Stereoplay – befriedigend bis gut (Januar 1990)
 

Gute Unterhaltung – im Detail

Musiker

Heinz Rudolf Kunze Gesang, Gitarren, Piano, Keyboards
Heiner Lürig Gitarren, Keyboards, Piano
Joschi Kappl Baß, Co-Produktion (Die langen Messer der Nacht)
Peter Miklis Schlagzeug, Perkussion
Martin Huch Gitarre, Pedal Steel, Lap Steel
Thomas Bauer Orgel, Bläserarrangements
CC Behrens Schlagzeug (Alles was sie will)
Tom Kannmacher Uilian Pipes, Tin Whistle (Alles was sie will)
Dieter Dehn Keyboards Programming (Größer als wir beide)
Heiner Pudelko Gesang (Die langen Messer der Nacht)
Ina "Luzilectric" Korch Gesang (Größer als wir beide)
Dick Hanson
"The Rumour Brass"
Trompete (Akrobat, Größer als wir beide, Alles was sie will)
Chris Gower
"The Rumour Brass"
Posaune (Akrobat, Größer als wir beide, Alles was sie will)
Ray Beavis
"The Rumour Brass"
Tenor- und Alt-Saxophon (Akrobat, Größer als wir beide, Alles was sie will)
John "Irish" Earle
"The Rumour Brass"
Tenor- und Bariton-Saxophon (Akrobat, Größer als wir beide, Alles was sie will)
Orchester der vereinigten Bühnen, Wien Orchester (Ich hab's versucht)
Caspar Richter Streicherarrangements (Ich hab's versucht)
Kammerchor der Humboldtschule Hannover Chorgesang (Gute Unterhaltung)
Dieter Neumann Chorleiter (Gute Unterhaltung)

Produktion

Produzenten Heiner Lürig
Aufnahme Heiner Lürig und Michael Polten
Madagaskar Studio
Hannover
März bis August 1989
"The Rumour Brass" Gary Wilkinson
Maison Rouge
London
Orchester Felix Rausch
Singsang Studio
Wien
Abmischung Ronald Prent
Wisseloord Studio III
Hilversum, Niederlande
 

Verkauf
 

CD WEA 2292-46217-2
LP WEA 246 217-1
MC WEA 246 217-4
Veröffentlicht 27. Oktober 1989
Charts 31 (49. Kalenderwoche 1989), 23 Wochen in den TOP 100
 

Hanns Dieter Hüsch – Einer auf den ich manchmal neidisch bin

Text von 1990 zum Album „Gute Unterhaltung“

Es ist für mich eine große Auszeichnung und dazu keine Kleinigkeit, mir ein paar Gedanken über die neuen Lieder des Heinz Rudolf Kunze machen zu dürfen. Kommt noch hinzu, dass er sich schon vor Monden ein paar Texte von mir wünschte, die er „minimalistisch“ vertonen wollte. Und ich hab das einfach immer wieder vergessen, verdrängt oder verschoben und meinem Gewissen damit Abbruch getan.

Nun gut, wagen wir es. Stürzen wir uns ins Messer, „verfliegen wir uns beim Salto, bleiben wir trotzdem das kleine Licht im Anflug“. Als ich die Lieder zum ersten Mal hörte, ganz allein, nur für mich, wusste ich am Ende nicht woher und wohin, ich musste aufstehen und auf und ab gehen, dann alle Fenster öffnen, um endlich zu sagen: Bleib doch ruhig, Alter; was macht dich an, was bewegt dich, das ist ja nicht die ganze Welt, das sind ja nur ein paar Lieder. Aber dennoch, was reißt dir jetzt so Leib und Seele auseinander.

Ganz einfach, weil es um Kopf und Kragen geht, weil sich im Kopf dein Leib versammelt und sich der Kragen wie eine Geliebte um deinen Hals wirft, und dein Kragen immer enger wird, und du schreist und schreist, Hilfeschreie, Notschreie. Und was kommt zurück: Unverständnis, Missverständnis, Lüge, Notlüge, Erbarmungslosigkeit und manchmal noch ein Quäntchen Zärtlichkeit. Ein schmerzlicher Weltklang, Lust und Verlust, beide tanzen auf den Abgrund zu.

Aber wer weiß das schon: Der Akrobat, der Artist, der Mensch Kunze, und vielleicht noch ein paar dazu, die sich ein kleines Liebes-Credo aufbewahrt haben, aufgespart für dunkle Zeiten. Ein bisschen zwischen den Zirkuskuppeln verweilen, ein bisschen sich was vormachen, ein wenig was Subcutanes spüren, ach, mein guter Künstler, wie verwandt wir doch sind, wie wir uns wehren gegen die Kälte, gegen die Korruption, uns Wärme ins Herz singen, jeden Tag von vorne, und am Abend läuft der Sänger durch die Welt und trinkt sich alle unsere Tragödien in seine Eingeweide, und wir nicken mit dem Kopf und sagen: Der weiß es, der hat’s gut, der kann dazu noch Musik machen, und was für eine einschneidende, eine chirurgische Musik, da werden die Saiten mit dem Skalpell bespielt, hier setzt dir die Anästhesie-Schwester den Fuß auf die Brust, und der Fuß steckt in einem steilen hohen Stöckelschuh, und aus den Füßen werden Beine, nicht auszudenken, wo die enden. Anatomie und Offenbarung, Biochemie und Verklärung.

Meine ganze Liebe hat das Lied: Ich hab’s versucht. Warum muss ich wohl keinem erklären, Männern schon gar nicht: Unverständnis, Missverständnis, Eingeständnis, Menschengeschichte und Lebensmusik. Ich glaube zu ahnen, dass HRK viel aus dem Gestus denkt und schreibt, dichtet und erzählt, simpel ausgedrückt, die Haltung bringt die Bilder herbei, und die Bilder kommen von weit her, obwohl sie uns ständig auf den Fersen sind, damit sie dann aber ins Auge gehen und ins Ohr fallen und wir sie nie mehr los werden, dazu bedarf es eines besonderen Standbeines, einer Handbewegung, einer Sitzpositur, und der Künstler ist bei sich angelangt.

„Wenn ich allein vor Menschen steh, vergeß ich, was ich sage“, heißen zwei Liederzeilen. Heinz Rudolf Kunze steht sehr oft vor sehr vielen Menschen und erklärt sich und unser aller Leben. Und es kommt zu drohenden Gegenbewegungen, zu finsteren Aufforderungen, es kommt fast zu einem Nietzschesken Immoralismus, er bringt uns aus den Tritt, wir stolpern, schlagen der Länge nach hin, um dann beim Titel-Lied mit Hilfe eines beinahe asiatischen Melos wieder langsam auf die Beine zu kommen und uns allen Gute Unterhaltung zu wünschen.

Uns, die wir alle mehr Fragen als Antworten haben, nicht wissen, wo wir anfangen sollen, in Namibia oder vor der Haustür. Uns, die wir keiner Antwort mehr trauen, sondern dies alles eines Tages (frei nach Gottfried Benn) ungelöst verlassen. Guten Morgen, Herr Doktor. „Das letzte Wort behalten Wasser, Wind und Moos.“ Weiß Gott und wahrhaftig, das will sich keiner so gern in die Haut ritzen lassen, obwohl viele singen noch schwerer, man fällt so leicht der Melodie zum Opfer oder in den Schoß und die Nächte werden länger und „schlimmer“.

Welch ein Wahnsinns-Lied für mich, in dem er Gott bittet, ihm eine Hure, eine Frau zu schicken. Der Ohnmacht- und Erlösungs-Choral aller fahrenden Musenkinder. Ein Gebet, in der die Nacht zur Wüste wird und der Tag keinen Anfang nimmt, gleichsam als Vorspiel wiederum zu „den langen Messern der Nacht“, in der das Menschengeschlecht zu einer Mitternachtsparty antritt, sich zu Tode tanzt, nackt, wehrlos, ausgeliefert den kalten Denkern und Rechnern. Und immer höre ich einen, der sagt: Reingefallen, selber schuld, reingefallen, selber schuld. Das geht so bis zum Morgengrauen, wenn die Musiker aufhören zu spielen. Das tätowierst du auf keine Kuhhaut, das geht über jede Hutschnur, mit der man dich würgt. Du bist geliefert, Freundchen, und du weißt das auch.

Und du schaffst es nicht, „es wird zu viel von dir erwartet“. Mal sollst du Privatmann, mal Gefolgsmann, mal Gewährsmann, mal Hampelmann und dann wieder Ehrenmann sein. Aber noch einmal, wie eine letzte Umdrehung, singt HRK den Herren der Schöpfung eine Warnung ins Gesicht, den Göttern in Weiß, eine Mahnung ins Genick, etwas von dieser Welt übrig zu lassen, nicht alles zu entdecken, um es zu zerstören, sich nicht wie die Konquistadoren aufzuspielen, es könnte die Menschengesellschaft sehr schnell auf die Idee kommen, sich von den besseren Herren zu befreien.

Mir war, als hätte der Sänger eine lange Reise durch den Dschungel der Widersprüche, der Irrtümer und Eingeständnisse gemacht, um am Ende wieder bei den alten Visionen vom freien Menschen unter Gleichen anzukommen. Künstler müssen halt viel an Leib und Seele investieren. Manchmal drei schlaflose Nächte für eine Zeile. Ruhelose Tage für eine aufregende Harmonie. On the road für eine Philosophie.

Möge er nicht ins Messer stürzen, sich nicht beim Salto verfliegen, sondern immer das große Licht im Anflug werden und bleiben. Contenance!

Umarmung, Hanns Dieter Hüsch

Quelle:
Kunst und Dunst in Neukirchen, Seite 25/26
Kulturinitiative Schwalm-Knüll e.V., Schwalm-Eder-Landkreis

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