Heinz Rudolf Kunze 2009 (Foto: Matthias von Schramm)

Protest@ndr2

Es ist noch Winter in Hamburg. Als Vorbote für den Frühling und die Protesttour 2009 ist das neue Album von Heinz Rudolf Kunze und Verstärkung mit dem kurzen und prägnanten Titel Protest gerade erst erschienen. Die neue CD beweist dem Hörer, dass „Protest“ auch der Widerstand gegen die allgemeine Lieblosigkeit sein kann.

Heinz Rudolf Kunze und Verstärkung (Foto: Annette Krüger)Am Abend des 11. Februar 2009 begegnet Heinz in Partnerschaft mit NDR2 seinem Publikum ausgesprochen liebevoll. Im ehrenwerten „Rolf Liebermann Studio“ des NDR spielt nach langer Zeit die Liveband samt Kunze wieder auf. Gedacht ist es als Vorab-Konzert, als kompakte musikalische Soundinformation vor der Tour im April/Mai 2009. stars@ndr2 nennt sich das Ganze. Illustre Größen wie Simple Minds, Ronan Keating, Peter Maffay oder Ina Müller haben hier schon unter diesem Motto aufgespielt. Karten kann man nicht kaufen, sondern lediglich per Radiogewinnspiel erbeuten. Das Studio, welches zwischen 400 und 500 Menschen fasst, ist an diesem Abend dann auch richtig gut gefüllt. Ein Videolivestream auf der Internetseite des NDR 2 lässt Fans, die nicht live dabei sein können, an diesem besonderen Kunze-Abend teilhaben.

Nachdem Heinz schon im Laufe des Tages im Radioprogramm des Senders bereits Frage und Antwort gestanden hat, betritt NDR 2 Moderatorin Elke Wiswedel kurz vor 19 Uhr die großzügige Bühne, auf die man als Zuschauer hinabschaut wie in einem Unihörsaal. Nach kurzer Begrüßung und Einstimmung erscheint die Verstärkung 2009 an diesem ehrenwerten Ort. Heiner Lürig fehlt, wie angekündigt, und auf der Bühne gibt es eine optische Lücke; dennoch legt die Truppe kompakt los und Kunze greift zur Gitarre.

Astronaut in Bagdad ist ein Opener, den man nicht besser wählen kann. Und als Anklage gegen die Irakinvasion der Amerikaner im „Vor-Obama Zeitalter“ ist es auch ein echter Protestsong. Heinz Rudolf Kunze singt (Foto: Annette Krüger)Heinz gibt zu, dass alle sehr aufgeregt sind, jetzt das neue Werk Protest zum ersten Mal vorführen zu dürfen. Die Präsentation wirkt aber vom ersten Song an gewohnt professionell und sicher. Mit Warum? folgt ein zweiter Rocksong, mit einem obskuren Selbstdialog, welcher mich sofort an die Sprache aus Ein Traum vom letzten Album Klare Verhältnisse erinnert. Ohnehin sind einige Stücke vom der neuen CD mit Zitaten versehen, in denen der aktuelle Kunze den vergangenen Kunze sprachlich immer wieder aufzugreifen scheint. So biegen sich beispielsweise auch die Balken in Aber Menschen und ein aufmerksamer Kunzehörer weiß, wo er diese Formulierung des Meisters schon mal vernommen hat.

Auf Aber Menschen, welches HRK übrigens nicht als generelle Abrechnung mit allen Mitbürgern verstanden wissen will, sondern als launisch ironische Momentaufnahme einwirft, folgt der Sprechtext Ich protestiere.

Mit diesem Text wurde das Album Protest vorgestellt. Und es ist ein wortreich dichter und durchaus dringend klingender Appell gegen die Oberflächlichkeit. „Gott ist auf einem anderen Stern“ schließt dieser Text -ein Zusatz zur bislang bekannten Version als perfekte Überleitung zu Auf einem andern Stern.

Als HRK mit der Bandvorstellung beginnt, und zwar mit dem auch Gajon spielenden Schlagzeuger Jens Carstens, lässt er die Katze aus dem Sack: Auf der Tour werde er selbst als Gitarrist entlastet, denn dort wird dann Zoran Grujovski als sechster Mann auf der Bühne stehen. So wird also die anfänglich erwähnte optische Lücke mit einem neuen Gesicht gefüllt werden. Auf der Protest-CD ist Zoran ja bereits zu hören.

Jörg Sander in Aktion (Foto: Annette Krüger)Mit Elixier folgt dann eines der ganz besonderen Liebeslieder, welche man immer wieder und vor allem vermehrt in den letzen Jahren hören durfte. Liebeslieder dieser Art sind gefühlvoll und persönlich und dass sich an ihnen auch mal die Geister scheiden, nimmt der Künstler gerne in Kauf. Für zartes und auch ordentlich reinlangendes Gitarrenspiel ist nach wie vor Jörg Sander zuständig, den das Hamburger Publikum freudig begrüßt. An den Tasten sitzt der alte Gefährte Matthias Ulmer. Heinz erwähnt besonders, dass dieser die musikalische Verantwortung für Ein besondrer Tag trägt, welches als nächstes folgt. Der Applaus bricht auch hier nicht ab. Eine schöne Gesangsnummer und sie macht im Kunzeschen Sinne ausgesprochen Gute Laune. „Matthias, Dein Lied!“, lobt dann auch der Frontmann erfreut. Und der Angesprochene feiert mit schwäbischer Zurückhaltung.

Anschließend wird die nächste Single angekündigt. Sie soll der aktuellen nicht in den Rücken fallen, Hits zu machen heiße ja auch aus der Vergangenheit zu lernen und bspw. der NDR möchte Längere Tage noch eine Zeit lang spielen, worüber sich die Protagonisten freuen. Einmal noch und immer wieder also wird dann bald in den Radiosendern mit Geschmack zu hören sein.

Jens Carstens, Leo Schmidthals und Matthias Ulmer (Foto: Annette Krüger)Dem fünften Mann auf der Bühne gilt ein besonderer Dank: Der Bassist Leo Schmidthals ist verantwortlich für die Produktion des neuen Albums und so auch mitverantwortlich für den besten Charteinstieg eines Kunzealbums seit zehn Jahren.

Die Band zeigt jetzt, was sie kann. Hardrock, wackelnde Wände und ein groteskes Kopfschütteln über junge Menschen, die sich selbst zerstören. Selbst ist die Zerstörung fordert die Hausanlage des Rolf Liebermann Studios ganz schön heraus. An dieser Stelle würde man noch gerne ein paar Rocknummern dieser Qualität hören. Aber der heutige Abend ist ja nur einer, der Appetit auf mehr machen soll. Finden sie Mabel unterbricht Protest, und folgerichtig verlassen HRK und Verstärkung nach Längere Tage die Bühne.

Aber auch hier, obwohl nur ein Kurzkonzert für HRK Verhältnisse, folgen noch Zugaben: Dein ist mein ganzes Herz sehr kraftvoll und rockig, Dies ist Klaus noch hinterher vom gleichen Album 1985 und mit „Als wir alt ... waren“ noch ein Sprechtext, bevor mal wieder und aber immer wieder passend, mit Ich hab’s versucht endgültig Schluss ist.

Am Ende sind es dann doch knappe 70 Minuten geworden. Stilvolle Vorboten für den Frühling. Die Vorfreude auf die Protest-Tour ist enorm gestiegen.

Matthias von Schramm, Februar 2009

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Sämtliche Fotos wurden von Annette Krüger und Matthias von Schramm am 11. Februar 2009 in Hamburg aufgenommen.

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