Cover des Albums "Reine Nervensache"

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»Schlüssel zum Werk«: »Man kann jede Wahrheit ertragen, sei sie noch so zerstörerisch, sofern sie für alles steht und soviel Vitalität in sich trägt wie die Hoffnung, die sie ersetzt hat.«

E. M. Cioran

Reine Nervensache

Titel

Wir leben alle im Erdgeschoß
Stern Für nichts und wieder nichts
Traumtänzer
Mit meinem leeren Glas
Balkonfrühstück
Romanze
Noch hab' ich mich an nichts gewöhnt
Abstinenzler
Bestandsaufnahme

Stern Singleveröffentlichung

  

Kommentar

"Von Null auf Hundert. Ein lupenreiner Amateur beginnt bei der größten Plattenfirma der Welt eine völlig märchenhafte Karriere: Ein 5-Jahres-Vertrag für einen Nobody. Es gab zwei, drei Stücke, die ich geschrieben hatte als ich 17 war. Es ist eine völlig inhomogene Platte, weil ich keine Ahnung hatte, wie man mit Musikern zusammenarbeitet. Ich war immer völlig allein gewesen und mußte mich daran gewöhnen, wie das ist, mit anderen Musikern umzugehen. Ich habe daran gemerkt, was Öffentlichkeit bedeutet, daß Klaus Wellershaus vom NDR sich nach der Ermordung seiner Tochter im Radio gewünscht hat, daß man das Stück 'Noch hab ich mich an nichts gewöhnt' spielt. Ich saß zu Hause und hörte wie immer 'Musik für junge Leute'. Peter Urban vertrat ihn, kündigte dieses Stück an. Klaus Voorman (Beatles-Graphiker, spielte auf John Lennon-Solo-Alben) hat auf diesem Album Baß gespielt. Er wurde später berühmt als Produzent von Trio."

Heinz Rudolf Kunze, März 1999

Presse

rollingstone.de (Januar 2005)

 

Reine Nervensache – im Detail

Musiker

Heinz Rudolf Kunze Gesang, Gitarren, Piano, Minimoog, Fender Rhodes, Mundharmonika
Mick Franke Gitarre
Hendrik Schaper Keyboards, Minimoog
Joschi Kappl Baß
Joachim Luhrmann Schlagzeug
Helmut Inhülsen Kontrabaß (Balkonfrühstück)
Herb Geller Saxophon (Wir leben alle im Erdgeschoß)
Jürgen Wagner Gitarre
Klaus Voormann Baß und Perkussion (Für nichts und wieder nichts)

Produktion

Produzent Mick Franke
Aufnahme Rüssl Studio
Abmischung Thomas Kuckuck
Rüssl Studio
 

Verkauf
 

CD WEA 244 141-2
LP WEA 58314
Veröffentlicht 29. Mai 1981
Charts

Vorwort

Ein Niedermacher für die 80er Jahre

Hinz und Kunz wirken undeutsch gegen ihn. So korrekt und kreditwürdig kommt er daher, so penibel und pensionsberechtigt, die Haare geschnitten, den Schlips geknotet – Muttis Traum vom Schwiegersohn. Der Typ ist so out, daß man eigentlich Verdacht schöpfen müßte. Denn wenn er erst den Mund aufmacht, ist alles zu spät. Die Stimme eine überspannte Klaviersaite, regnen Hohn und Herzenstrümmer auf das Publikum nieder, die Illusionen klatscht er den Leuten wie nasse Lappen um die Ohren, bis sie heiß werden, und nicht nur die Ohren. Biedermann als Brandstifter, der Schwiegersohn als Heiratsschwindler, ein Spielverderber wie er im Buche steht: Heinz Rudolf Kunze aus Osnabrück – deutscher kann keine Tarnung sein! Jahrgang 1956, gutbürgerlich aufgewachsen, von Klavierlehrern gedrillt, verfiel Kunze schon früh der Droge Dylan und kopierte auf der Gitarre Pete Townshends Griffe. Mit sechzehn erste Gedichte und Songtexte – kaltgepreßte Poesie, kuschelig wie Glaswolle. Immerhin, manchmal geschehen auch in der deutschen Provinz Zeichen und Wunder: Die Stadt Osnabrück verlieh ihm 1978 ihren Literaturpreis. Kunze studierte inzwischen Germanistik und hatte sich noch ein paar Hausgötter zugelegt: Peter Handke und Rolf-Dieter Brinkmann, Randy Newman und Jim Morrison. 1980 schließlich, im November, dann der Durchbruch auf dem »Deutschen Pop-Nachwuchs-Festival« in Würzburg. Kunzes Bestandsaufnahme, 8 Minuten und 25 Sekunden Zorn und Zyne, Gift und Galle – und verletzte Liebe. Es war die Stunde der Wahrheit. Viele spürten plötzlich, daß alle Liedermacher-Ideologien verschlissen sind. Doch der da vorn, das könnte der Niedermacher der 80er Jahre sein. Einer, der das Lebensgefühl der Zwanzigjährigen als Musik ausspeit wie damals jener Robert Zimmermann in den Kellern New Yorks. Freilich – hört her, ihr Schubladenhüter, ihr Etikettenverteiler, ihr Links-Rechts-Denker! – in Heinz Rudolf Kunze habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen. Der handelt nicht mit Erleuchtungen und Erlösungen, der hat keine Religion parat und kein Parteiprogramm. Der wirft dich auf dich selbst zurück, aber darin ist er einer wie du. Und in grauen Zeiten, sagte Philosoph Spinoza vor 300 Jahren, ist es ein Trost, so einen an seiner Seite zu haben. Kunze muß es wissen: Schließlich promoviert er gerade über Spinoza zum Doktor der Philosophie. Auch darin deutsch wie Faust.

Klaus Schneider

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