Cover des Albums "Reine Nervensache"

1981

Text Heinz Rudolf Kunze
Musik Heinz Rudolf Kunze
Mick Franke
Verlag Oktave Musikverlag

"Bestandsaufnahme" ist ebenfalls auf folgenden Alben erschienen:

Cover des Albums "Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde" Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde
Cover des Albums "Folk, Lied, Song"
Folk. Lied. Song
Cover des Albums "Korrekt" Nonstop – Das bisher Beste von Heinz Rudolf Kunze
Cover des Albums "Räuberzivil" Räuberzivil
Cover des Albums "Der schwere Mut & Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde" Deluxe Edition Der schwere Mut & Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde
Deluxe Edition

Eine Live-Version von "Bestandsaufnahme" ist ebenfalls auf folgender CD zum Buch erschienen:

Cover des Bildbands "heinz rudolf kunze: agent provocateur" heinz rudolf kunze: agent provocateur

"Bestandsaufnahme" ist ebenfalls auf folgenden DVDs erschienen:

Cover der DVD-Box "25 Jahre HRK – Man sieht sich" Man sieht sich – 25 Jahre HRK
Cover der DVD-Box "In alter Frische" In alter Frische

Der Text und die Noten zu "Bestandsaufnahme" ist ebenfalls in folgenden Büchern erschienen:

Cover des Buches "Deutsche Wertarbeit" Deutsche Wertarbeit
Cover des Buches "Schreibfreiheit" Schreibfreiheit

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Bestandsaufnahme

Es gab mal Zeiten, wo die Brüste unsrer Mädchen
noch kein Geheimnis waren, kein Privatbesitz,
wir wußten alles voneinander, nicht wie heute,
wo man vereinzelt auf der Dauerdame schwitzt;
wenn wir uns jetzt mal treffen, spielen wir Verstecken.
Gefall'ne Würfel sind ein idealer Schutz.
Wir brauchen stundenlang verschwiegene Toiletten
zur Atemübung und zum Spiel mit etwas Schmutz.

Es spielen immer öfter Gruppen, die wir mögen,
in unsrer vollgefressnen, geisteskranken Stadt.
Doch wir verzichten auf den Anblick unsrer Helden,
weil uns Enttäuschung unverhofft verbittert hat:
sind sie denn wirklich schon so abgrundtief gesunken,
daß sie es nötig haben, hier zu konzertier'n?
Wir hören zimmerlaut die unschlagbaren Platten.
Wir trinken schweigsam unser zimmerlaues Bier.

Wir sind jetzt mündig und wir haben nichts zu sagen.
Wir wählen selbstverständlich weiter S.P.D.
Wir haben keinen Grund, uns wirklich zu beklagen.
Der Sozialismus täte uns ein bißchen weh.
Wir kommen langsam in das glatzenwunde Alter,
das zwecks Karriere ein Bekenntnis nötig macht.
Zehn halbe Bier, und unsere Fahne hängt im Winde,
noch zwei dazu und wir verpissen uns zur Nacht.

Wir haben alle einen angeschlag'nen Magen.
Wir leben alle auf Kredit und auf Rezept.
Wir schlucken Pillen und sind schmerzfrei, aber müde,
das Zeug wirkt gründlich, und wir spüren das im Bett.
Es hängen kleine kalte Klötze an den Schwänzen,
einmal-pro-Nacht als Hausaufgabe auferlegt,
wir führen Stellungskrieg um Mitternacht am Schreibtisch,
bis die Herzdame ihre Haut zu Bette trägt.

Wir sehen Tote und wir stellen uns die Frage,
wieviel an Frist uns zum Gewinnen noch verbleibt.
Was kommt danach? Wir konstruieren eine Antwort,
die uns das kalte Grausen in den Nacken treibt.
Allmählich finden wir, daß selbst Familienfeiern
gar nicht so schlimm sind, wie man früher immer fand.
Uns kommen teilnahmsvolle Worte von den Lippen,
zu alten Damen sind wir regelrecht charmant.

Wer macht das Spiel? Wir reizen hoch, wobei wir frieren.
Da sind schon wieder mal die Chancen schlecht gemischt.
Mit den Gedanken sind wir immer ganz woanders:
Ein Schloß im Schnee und alle Spuren gut verwischt.
Es ist ein Wahnsinn, sich so früh schon zu erinnern,
wo wir doch wissen, daß es andren nicht so geht.
Und doch: wir lauschen auf das Ticken unsrer Herzen,
in denen DREIUNDZWANZIG vor dem Komma steht.

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