Wieder vereint – Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig (Foto: Christof Mischke)

Bühnenjubiläum 2004

 

Fünfundzwanzig Jahre sind nicht genug
Eine Geburtstagsfeier mit Fans, Fernsehen und großer Verstärkung

Ausverkauftes Kapitol (Foto: Christof Mischke)Das Jubiläum ist da. Fünfundzwanzig Jahre Heinz Rudolf Kunze – kaum zu glauben. Gefeiert wird zuhause, aber standesgemäß. Am 21. und 22. Dezember 2004 wird eingeladen – ins Capitol zu Hannover, dem Ort, der tragfähige Begeisterung für die letzte Live-Scheibe Dabei sein ist alles bot. Diesmal ist das Fernsehen gekommen. Der WDR zeichnet das große Familienfest auf, um es im Rahmen der Rockpalast-Reihe beispielsweise am 7. März 2005 zu senden. Da gibt es spezielle Erinnerungen. 1985 spielte HRK mit der damaligen Verstärkung in der Hamburger Markthalle und es ging als Rockpalast-Konzert live über den Sender.

Überhaupt sind dies Abende vieler Rückbesinnungen, welche aber dazu geeignet sind, in die Zukunft zu sehen. Schließlich erscheint am 28. Februar 2005 eine neue CD, deren Titel bereits für die Capitol-Konzerte Programm ist: Das Original.

Es kann losgehen: Der Aufnahmeschwenkarm des WDR bringt sich über den Köpfen der zahlreich erschienenen Partygäste in Position. Die Kameraleute halten sich vor und neben der Bühne bereit, ein überdimensionales Dia mit dem Konterfei von HRK (Das Cover der ersten Platte) bietet den optischen Hintergrund. Aus den Boxen erklingt "Strawberry Fields forever". Das Hintergrundbild wechselt – "Das Original" steht nun da und die Verstärkung erscheint auf der Bühne. Heinz Rudolf Kunze – das Original eben – tritt im Nadelstreifenanzug auf und ist für uns da. Die Fans quittieren es mit entfesselter Begeisterung vom ersten Takt an.

Immer für dich da heißt dann auch der erste Titel des kommenden Albums, von dem HRK an diesen Abenden bereits sieben Lieder vorab zelebriert. Die Zeilen der neuen Songs können noch nicht mitgesungen, gegrölt, geschrien werden, aber sie bleiben musikalisch bei den stets mitklatschenden Geburtstagsgästen hängen. Kunze sagt mit dem zweiten neuen Song Mein wahres Gesicht, daß  er unverfälscht und wie gewohnt einer Party mit Rock'n' Roll aus fünfundzwanzig Jahren Liedern mit intelligenten Texten vorsteht. Ungewöhnlich ist aber die Bandbesetzung zu diesem besonderen Anlaß. Natürlich sind mit Jens Carstens (Schlagzeug), Leo Schmidthals (Bass), Matthias Ulmer (Keyboard) und Jörg Sander (Gitarre) die Begleiter von der Rückenwind-Tour wieder genauso präsent wie 2003. Jedoch sorgt neben dem jungen Schlagzeuger Carstens der musikalische Leiter des Sommernachtstraum-Musicals, Wolfgang Stute, für Percussion, und der zurückgekehrte Heiner Lürig steht auf seinem Platz, als wäre er niemals weg gewesen und bietet mit Jörg Sander Abwechslung bei den Gitarrensoli.

Alle "Wunderkinder" haben nun besonderen Grund zu feiern, denn diese erweiterte Verstärkung spielt den Titelsong des Albums von 1986. Die Nummer sorgt für den ersten Stimmungshöhepunkt beim Publikum. Es folgt ein Sprechtext über Donald Duck ("Werden sie Situationist") und das liebgewonnene Aller Herren Länder – ein Stück für akustische Gitarren, welches ja fast auf keinem HRK-Konzert mehr fehlen darf. Anschließend zollt Kunze mit einem weiteren neuen Song K. einem besonderen Kollegen aus Prag Tribut: dem Dichter mit bizarren Bildern aus verschiedenen Welten und der Sänger dieser Abende in Hannover meint, daß eine kafkaeske Widmung überfällig war.

Martin Huch (Foto: Christof Mischke)Lange vermißt wurde auch Fallensteller, die schöne Nummer, die in kaum einem Konzert am Ende der 80er Jahre gefehlt hat und deshalb bei solch einem Jubiläum seinen Platz haben muß. Das Publikum geht dementsprechend mit. Es folgen wieder zwei neue Titel: Geh mir nah und Der zweite Mann. Nun aber betritt als achter Mann ein Kollege aus vergangenen Zeiten die Bühne: der Meister der Lapsteel-Guitar Martin Huch – unverzichtbarer Mitstreiter der Verstärkung aus den 80er und beginnenden 90er Jahren. Nun hat er wieder seinen Einsatz und bezeichnenderweise bei Meine eigenen Wege. Dem tobenden Capitol bietet HRK nicht zur Beruhigung der Gemüter, aber zum Nachdenken einen bissigen Sprechtext an, in dem er Amnesie für Hitlers Asche fordert. Passend dazu die Zeile "Die haben das doch gar nicht gewollt", aus Madagaskar, bevor es mit der Widmung von Shakespeares Heldin Ophelia wieder literarisch werden darf. Das gute alte Regen in Berlin, eine Erinnerung an gefühlvolle Anfänge schließt sich an und zwar in der "Golem aus Lemgo-Version".

Eine schöne Idee ist es, dass die Bilder auf dem Bühnenhintergrund die Cover von den Alben und Singles der jeweiligen Songs zeigen, bzw. dass Momentaufnahmen aus den Booklets zu sehen sind. Fünfundzwanzig Jahre werden plastisch und so auch das gewaltige musikalische Werk des Gastgebers. Da erscheint visuell auch ein Einfacher Mann mit Cowboyhut – eine Mitklatsch- und Feiernummer. Lange hörte man auch nichts mehr vom Stirnenfuß vom "Brille-Album", welcher sich mit ausgedehntem Refrain über die feiernde Gemeinde ergießt.

Kunze kündigt den offiziellen Song zum Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover an, eine Hymne zum Mitsingen für eine mittlerweile Woodstock-ähnliche Veranstaltung, wie er betont. HRK und Verstärkung, die den Auftrag für dieses Werk bekommen haben, werden es im Sommer mit der Menge der Kirchentagsteilnehmer intonieren. Mehr als dies heißt es und schon im Capitol wird es als hymnentauglich empfunden.

Gitarren pur (Foto: Christof Mischke)Intensiv rocken die drei Gitarristen. Jörg Sander und Heiner Lürig posieren am Bühnenrand vor den Kameraleuten, während Martin Huch sich in altbekannter Zurückhaltung übt, zumindest was das Posing angeht. Mitunter klinkt sich auch Kunze noch als vierter Gitarrist ein, was der Show durchaus eine Art 'All-Star Charakter' verleiht. Besonders bei einem Song wie Alles was sie will ist das so. Dann ist es auch Zeit, die besondere Truppe auf der Bühne namentlich vorzustellen. Jeder der einzelnen Mitstreiter erntet frenetischen Beifall, dabei wird erwartungsgemäß die Wiederkehr Heiner Lürigs auf die HRK-Bühne mit 'Heiner, Heiner!-Rufen' gewürdigt.

Draufgänger klingt wuchtig von diesen acht Herren und als Höhepunkt des ersten Konzertteils darf das Publikum kräftig mitsingend eine lange Live-Version von Mit Leib und Seele erleben. Eine andere Melodie, aber erneut der Text des Openers Immer für dich da beschließt ein nur vorläufiges Partyende nach fast genau zwei Stunden. Mit den Worten "Ich bin immer für Euch da" geht HRK und seine große Jubiläumsverstärkung in eine kurze Pause.

Der Aufforderung nach Zugaben wird schnell nachgekommen. Finden sie Mabel, Dein ist mein ganzes Herz, Dies ist Klaus und Ich habs versucht bilden den ersten Zugabenblock. Nach viel Stimmung und Schweiß wird es dann besinnlicher, und Kunze spielt nun allein und am Klavier sitzend. Der schwere Mut ist im Jubiläumsprogramm, während hinter dem Sänger groß und in schwarz und weiß das Cover dieses frühen Albums erscheint. Der erste Song, den er je aufgenommen hat, war Bestandsaufnahme. Heiner Lürig sitzt an der Gitarre und der Gastgeber des Jubiläums erwähnt, daß damals der leider 2001 verstorbene Freund Mick Franke an seiner Stelle gesessen hat. Kunze wünscht seinem alten Gefährten von einst einen großen grünen Fußballplatz – dort, wo er jetzt ist.

Bis heute fordert das Stammpublikum auf Kunzekonzerten immer wieder die HRK-Version des Kinks-Klassikers Lola. HRK weiß zwar nicht, was die Leute an "diesem alten Schinken" finden, wie er augenzwinkernd verlauten läßt, aber für ihn ist der Kunde König. Wenn du nicht wiederkommst hören Kunze und Verstärkung von ihren Gästen auch schon seit vielen Jahren immer wieder aus hunderten von Kehlen. So klingt sich auch diesmal die Band in den Gesang ein.

IHeinz Rudolf Kunze ist gerührt (Foto: Christof Mischke)m Schulterschluß mit seinem Partner Heiner Lürig schließt Gastgeber und Bühnenjubilar Heinz Rudolf Kunze den Abend. Leg nicht auf heißt es zu guter Letzt. "Danke, daß ihr es fünfundzwanzig Jahre mit mir ausgehalten habt" ruft er allen zu, Arm in Arm mit Heiner Lürig. Nach beinahe drei Stunden Geburtstagsparty im Capitol verlassen die beiden Freunde und Partner die Bühne. Müde und erschöpft lassen die Kameraleute ihre Arbeitsgeräte von den Schultern sinken.

Fünfundzwanzig Jahre Heinz Rudolf Kunze und noch lange kein Ende. Nach dieser beeindruckenden Vorstellung darf man auf die Tournee im April 2005 sehr gespannt sein. Und wer die beiden Abende im Capitol verpaßt haben sollte, der kann am 7. März 2005 ab 1 Uhr nachts im WDR Fernsehen doch noch Zeuge dieser Feier werden – übrigens eine gute Einstimmung, um HRK und Verstärkung bald darauf live mit dem dann bereits erschienenen Album Das Original zu erleben.

Matthias von Schramm, Dezember 2004

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Sämtliche Fotos wurden von Christoph Mischke am 21. Dezember 2004 aufgenommen.

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