Cover des Buches "Deutsche Wertarbeit"

1984

Beichte

Drogen nehme ich keine. Ab und zu
bißchen Effekthasch, das ist alles.
Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen.
Einfach mal rausfahren, wie früher mit den Eltern,
Wolken schwarz und rötlichgelb in blauer Milch
über der erwartungsbraunen Erde Anfang Februar,
das ist doch was,
da verlöschen doch ein paar verschobene Abflüge im Kopf,
verkürzt das nicht gedanklich die
nicht mehr rückgängig zu machenden Wartezeiten?
Mein Gott, Sie schweigen wie ein Jungtheologe.
Sie machen mir nichts vor, Sie nicht!
Sie mit Ihrem Ekel vor der Amüsierlichkeit der Massen,
aber bei der dritten Buchseite denken Sie in Ihrem Stübchen
nur noch an das Punk-Mädchen nebenan und ob ihr
Irokesen-Schnitt wohl auch im Schamhaar funktioniert ...
irgendwann dann die feinsinnige Freundin (oder die derbe!
die ganz derbe! auch denkbar) mit chinesischem Heil-Öl
und der Waldorf-Idee. Häßliche Musik,
nicht zu vergessen, Sie lieben häßliche Musik,
mit allem Ingrimm, man hat's nicht leicht,
keine Terz mehr nach Auschwitz, und sehen Sie,
so kommen wir sogar ins Gespräch,
auf Ihrem Synthesizer steht Golgatha,
auf meinem McDonald's.
Wissen Sie, was ich mir wirklich wünsche?
Ein Werwolf zu sein,
mit elementaren Kenntnissen in Psychoanalyse,
vielleicht könnte ich dann wieder
weinen.

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