Titelseite von "Artgerechte Haltung"

2005

Baby an Board

Baby an Bord. Toller Autoaufkleber.
Angesichts des heiteren Geburtenratens in Deutschland
kriegt man dafür bald ein Bundesverdienstkreuz.
Baby an Bord. Super Bekenntnis.
Wie wäre es im übrigen mit Bekenntniszwang für die Kinderlosen?
Zum Beispiel "Asozialer Selbstverwirklichungs-Dödel"?
oder "Zukunftverhütende Doppelnamen-Zicke"?
Das Autoheck als Populationspranger,
der Kofferraumdeckel als PS-Pinwand der Prokreation.
Baby an Bord. Das bringt uns doch wirklich weiter als
"Nicht hupen – Fahrer träumt vom FC Bayern"
oder "Achtung! Ich bremse auch für Halluzinationen!"
Noch verschärfter kommt natürlich
ACHTUNG! BABY AN BORD!
Das ist dann nicht mehr nur ein sozialpolitischer Ritterschlag,
sondern die kindgerechte Anweisung an alle anderen,
ähem, "Verkehrsteilnehmer", bitte nicht da aufzufahren,
wo es um unser aller Gedeihen geht,
sondern nur bei den Limousinen, wo alte Leute
die Sitze bevölkern – auch das eine
gesamtgesellschaftliche Gehölzpflege mit segensreicher Wirkung
für die Alterssicherung der Nichtschmarotzer.
Und wenn dann noch ein Baby-an-Bord-Fahrer
einer Rentnerkutsche drauffährt – zack! unglaublich!
ein Zangenangriff auf das deutsche Elend! Respekt!
Also, meine Damen, geben Sie sich einen Ruck.
Haben Sie wieder mehr Babys an Bord,
sie haben doch ein Entmüdungsbecken,
also machen Sie die Kerle fortpflanzungsmunter!
Neue Vorbilder sind gefragt.
Schluß mit dem schlampigen Model-Gepose,
das aussieht wie Straßennutten nach mißlungener Hüftoperation.
Nix mehr Gisele Bündchen! Mehr Klumpen a la Heidi!
Wenn es eine Rettung gibt, dann ist es die deutsche Frau,
das wußte schon der österreichische Zeugungsverweigerer
mit dem zu kurzen Bärtchen.
Umdenken, Mädels!
Hipp Hopp ist keine Musikrichtung
(Musikrichtung?),
sondern wenn Baby das Breichen verspritzt.
Süß.

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