Heinz Rudolf Kunze 2013/2014

2014

 

Diesen Text veröffentlichte Heinz Rudolf Kunze auf seiner Facebook-Seite. am 1. September, nicht 1939, sondern 2014.

Als Pazifist

Ich wasche meine Hände
in der Unschuld fremder Opfer
ich bin Pazifist
was ist schlecht daran
gar nichts
nur daß es schlecht ist
nur daß es selbstgerecht ist
nur daß es feige ist
in all seinem tollkühnen Friedensmut
in all seiner rasenden Friedenswut
ich habe es trocken und warm
ich habe mehr zu essen und zu trinken als reingeht
ich höre keine Bombeneinschläge
ich höre keine Schüsse
man erzählt mir daß sie näherkommen
vielleicht stimmt das vielleicht stimmt das nicht
ich mag es nicht glauben
und schon gar nicht mag ich es wissen
schließlich werden wir doch andauernd nach Strich und Faden belogen
aber was wenn der Strich die rote Linie ist
die nicht überschritten werden darf
aber was wenn der Faden der Strick ist
an dem Unschuldige baumeln
es gibt Leute die sagen
es gäbe keine Unschuldigen
sowas sagt sich leicht wenn man es warm hat und trocken
wenn man den Schuß nicht gehört hat
es könnte ja auch an den Ohren liegen
eine Riesengemeinheit ist das
daß das Leben nie zu den schönen Theorien paßt
daß die Theorien immer nur stimmen
wenn man Opfer in Kauf nimmt
und sie unter den Teppich kehrt
bis ihr Blut nach oben durchsickert
als Pazifist ist man Minimalist
man behauptet alle Menschen zu lieben auch die Bösen
aber man möchte so wenig wie möglich mit ihnen zu tun haben
man benutzt den Balken im eigenen Auge als Zahnstocher
kein Wunder daß man sich dabei die Zähne ausschlägt
und als zahnloser Friedenstiger endet
über den Bösen nur lachen
jawohl sie lachen wenn sie Pazifist massakrieren
als Pazifist muß ich akzeptieren daß die Bösen das letzte Wort haben
und das letzte Wort wird ein Schuß sein
und dann lachen sie
mein Gott wie sie lachen

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