Heinz Rudolf Kunze (Foto von Gerald Erdmann)

EXPO 2000

 

 

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Zwanzig Jahre in zwei Stunden

HRK und Verstärkung auf der Expo 2000 in Hannover

Heinz Rudolf Kunze in der "Beat-Box"? Das klingt ja gemütlich. Wer sich an diesem Abend des 28. Juli auf ein atmosphärisches Club-Konzert eingestellt hat, sieht sich bald getäuscht. Die sogenannte "Beat-Box" in Halle 11 auf der Expo faßt mehrere tausend Musik-Fans – und gut 3500 sind heute abend hier. Kunze hat sich viel vorgenommen: "Angesichts dieses gemischten Publikums, das bei der Expo vor uns steht, wollen wir mal einen ganz weiten Bogen schlagen von '81 bis heute. Den vielen Menschen, die mich vielleicht auch zum ersten Mal bei dieser Gelegenheit sehen, möchte ich alles anbieten, was wir so gemacht haben. Man predigt hier ja nicht zur Gemeinde, sondern es gibt ja auch viele Neue." Entsprechend legen Kunze und Verstärkung los: Heinz Rudolf Kunze am Klavier (Foto von Gerald Erdmann)Der Opener Nonstop, Single und Titelsong des aktuellen Best-Of-Albums, geht sofort ins Blut und schon beim zweiten Song – Der Kaiser soll mir sagen wer ich bin – fragt man sich ernsthaft, ob die vielen Expo-Besucher wirklich müde Beine haben. Die Menschen wippen, klatschen, tanzen – ausgelassene Feten-Stimmung in Halle 11 von Anfang an. Da haben Kunze und Band leichtes Spiel. Was folgt, ist in der Tat ein bunter Fächer von Songs, alte Hits (Dein ist mein ganzes Herz), ambitionierte Rock-Nummern aus dem letzten Studio-Album (Froschmann), dazu auch ernsthafte Titel (Jetzt erst recht) und eine ruhige Unplugged-Einlage (Mit meinem leeren Glas). Die Dramaturgie des Abends stimmt, Kunze hat zu jeder Zeit das Publikum auf seiner Seite – und zeigt sich selbst in bester Laune: So widmet er den neu arrangierten Titel Meine eigenen Wege augenzwinkernd allen Menschen mit Eigensinn "von Erzbischof Johannes Dyba bis Stefan Effenberg".

Heinz Rudolf Kunze auf der EXPO (Foto von Gerald Erdmann)

Nur einmal herrschen Stille und Nachdenklichkeit in Halle 11, als Kunze einen seiner literarischen Texte vorträgt: "Erinnert sich eigentlich noch jemand an Renate Wallert?" Bilder von Geiselnahme und Big Brother, Terror und Inselduell, verletzter Renate und strahlendem Zladko vermischen sich zu einer beißenden Medienkritik, an deren Ende die bange Einsicht steht: "Wir sind verwundbar ... das Paradies ist von wirklichen Menschen verseucht. Wir brauchen mehr als Urlaub, ein neues Jerusalem, ein Mallorca auf dem Mars."

Musikalisch präsentiert sich die Verstärkung an diesem Abend in gewohnter Form: Heiner Lürig begeistert nicht nur beim Froschmann durch ausgereifte Gitarren-Soli, er sorgt auch als zweite Gesangs-Stimme immer wieder für den typischen Kunze/Lürig-Sound. Raoul Walton und Heinz Rudolf Kunze (Foto von Gerald Erdmann)Raoul Walton am Baß bürgt für den nötigen Groove und versteht sich an einem besonderen Upright-Baß auch mal auf leisere Töne. CC Behrens an Drums und Percussion macht der "Beat-Box" alle Ehre und verleiht einem Song wie In der Sprache, die sie verstehen die nötige Dramaturgie. Und Matthias Ulmer an den Keyboards hat wie immer alle Hände voll zu tun, streut etwa bei Alles gelogen volltönende Zwischenstücke ein und begeistert bei Finden Sie Mabel mit einem ebenso schnellen wie leichthändigen Piano-Solo. Als sich Kunze und Band nach regulärer Spielzeit von der Bühne verabschieden, fordert das Publikum lautstark Zugaben. Mehrfach kehren die Musiker zurück, bevor sie mit Lola die Expo-Gemeinde in den verbleibenden Abend entlassen.

Schon zur Eröffnung hatten Heinz Rudolf Kunze und Verstärkung auf der Expo gespielt, Ende Juli folgten jetzt vier Konzerte in der "Beat-Box". Kunze kommt sich in diesen Tagen vor wie ein Schauspieler, der jeden Abend ins gleiche Theater geht und ein Stück aufführt. "Wir wollen nicht einrosten auf der Bühne, deshalb ändern wir jeden Abend ein paar Lieder. Das Repertoire ist ja so groß nach 20 Jahren Krach, den man hinter sich gebracht hat, daß man ein bißchen variieren kann. Und damit wir selber vital und wach und bei der Sache bleiben, gibt's nicht jeden Abend genau das Gleiche." Gesagt – getan. So kam es, daß eingefleischte Kunze-Fans fürs Expo-Abendticket an mehreren Abenden durchaus verschiedene Konzerte zu hören bekamen.Heiner Lürig und Matthias Ulmer (Foto von Gerald Erdmann) Der schwere Mut stand wieder auf dem Programm, auch Vertriebener kam zum Zuge und selbst Verraten und Verkauft zählte zu den lange nicht mehr gehörten Live-Titeln. Am Ende hatten vier Konzerte in Folge für Kunze auch etwas Positives: "Wir haben's nicht weit nach Hause, wir kommen ja aus dieser Ecke. Wir müssen jetzt nicht auf Tournee gehen, die Leute kommen zu uns – brillantes Konzept."

Ganz nebenbei konnte sich Anwohner Kunze auch selbst einen Eindruck von der Weltausstellung verschaffen: "Die Expo ist deutlich attraktiver, als vieles, was ein bißchen depressiv über sie berichtet wird. Es ist eine Sache, die man an einem Tag gar nicht schaffen kann. Nach ein paar Stunden haben mir die Beine wehgetan, man muß hier eigentlich mehrere Tage verbringen." Einschränkend meint der Künstler: "Vielleicht fehlt der absolute Magnet. Es gibt viele schöne Einzelheiten, und die Expo ist ein toller Markt der Möglichkeiten, der Welt sich darzustellen. Aber das Eifelturmartige ist eben nicht dabei. Das, wo alle sagen: Da mußt du hin, das mußt du gesehen haben!" Nun, vom 28. bis 31. Juli fanden jeden Abend mehrere tausend Expo-Fans, Heinz Rudolf Kunze müßte man gesehen haben, wenn man schon mal da ist. Und jeden Abend aufs neue machten sie Aller Herren Länder, den Kunze-Hit des Jahres '99, zu ihrer Expo-Hymne des Tages: "Du wirst nie zuhause sein, wenn du keinen Gast, keine Freunde hast ...".

Titus Reinmuth, August 2000

Sämtliche Bilder, Video- und Audiosequenzen wurden am 28. und am 29. Juli 2000 in der BeatBox auf der EXPO 2000 in Hannover von Gerald Erdmann und Titus Reinmuth aufgenommen und abgemischt.

Sämtliche Bild- und Tondokumente dürfen ohne Genehmigung weder gesendet noch in irgend einer anderen Form publiziert oder veröffentlicht werden!

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